Indiskretion Ehrensache: Der Mythos von der Gratiskultur, Mein Kommentar

http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2169

Mein Kommentar zum Posting von Thomas Knüwer

Mit Verlaub: Es ist Unsinn zu behaupten, im Internet gäbe es keine Gratiskultur. Eine Gratiskultur hat das Internet von Beginn an entscheidend mit gestaltet und auch heute zu der Popularität geführt.

Der Leser soll also mit seiner Zeit bezahlen? Für ein Refinanzierungsmodell, welches er oftmals postum mit Werbeblockern o.ä. wieder abfiltert? Dazu noch die erschwerende Situation der inflationär gewachsenen Werbeflächen mit den auch dadurch rapide gefallenen Preisen?

Mit Kompensationsmodellen kommt man nun offensichtlich nicht mehr weiter. Es ist längst eine Gratismentalität entstanden, die ich weitaus prekärer sehe.

Es gilt oftmals „wenn es etwas kostet, nutzen wir es nicht“. Es wird komplett sinnfrei nicht der Nutzen oder der Wert für die Leistung oder digitale Ware hinterfragt. Einzig die Tatsache eines kostenpflichtigen Angebotes führt zur rigiden Ablehnung. Und dies ist leider unbestrittener Fakt.

Und darum tut man sich heute mit dem Thema Paid Content schwerer, als man es eigentlich müsste. Primär mit Zeit und Aufmerksamkeit zu bezahlen schafft man meines Erachtens keine Nachhaltigkeit. Es wird sich nicht rechnen. Und das ist das Entscheidende: Es muss sich rechnen und diese wichtige Nachhaltigkeit in den Netzmedien entstehen.

Offensichtlich tut es dies jedoch nicht.

Besser als je zuvor hätten Medien durch die digitale Infrastruktur heute die besten Optionen, ihr Wissens- und Informations-Gut mit minimalen Transaktionskosten digital wesentlich günstiger zu verkaufen. (Ok, wenn sie den Online-Abopreis nicht weiter künstlich hochhalten). Unabhängigkeit. Kleinere Medien (einzelne Journalisten, Fachblogger) könnten sich (theoretisch!) direkt und selbst hervorragend vermarkten. Das alles muss nicht straight closed barrier, sondern kann in weiteren Varianten (Frei/Premium/Kunden-Service) realisiert werden. Die Infratruktur des Netzes mit seiner Technik bietet auch weitere hervorragende Möglichkeiten für neue Monetarisierungsideen.

Aber, ach hoppla: Es gibt ja noch das trendige „Unser aller“ und „Kostenlos-Teilen“, indem Urheber- und Nutzungsrechte gänzlich ignoriert werden.

Die Gratiskultur mit seiner Gratismentalität besteht mehr denn je sehr dominierend im Netz. Und diese Überdominanz wird uns zwangsläufig ins digitale Mittelalter führen. In den Bereichen, wo wir nicht bereits schon sind.

Kurz davor/danach kommt jedoch immer die bekannte Dotcom-Blase.

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