Meine Gedanken zum Thema Netzneutralität

Nur ein Auszug Oktober 2009: Skype fordert Ende der Blockaden durch EU-Mobilfunkprovider Mai 2010: Die US-Regulierungsbehörde FCC will trotz eines aktuellen Gerichtsurteils durchsetzen, dass Breitbandanbieter keine Netzdienste unterdrücken dürfen. Juli 2010 Die Deutsche Telekom plant, nicht ihre Nutzer sondern Anbieter datenintensiver Dienste (z.B. YouTube) gesondert zur Kasse zu bitten, wenn sie diese über das Mobilfunknetz der Telekom vertreiben wollen. August 2010: Verhandeln Google und Netzbetreiber Verizon separat über eine Netzmaut?

In all diesen Themen stellt der Begriff Netzneutralität den elementaren Kern zur Diskussion dar 

Was ist eigentlich Netzneutralität?
Netzneutralität ist kurz gefasst die neutrale Datenübermittlung der Zugangsprovider (DSL-Anbieter, Mobilfunkprovider) von Inhalte-/Dienste-Anbietern (Webseiten, Portalen aber auch z.B. Diensteanbietern wie Skype) zu ihren Nutzern.

Netzneutralität soll dafür stehen, dass alle Daten gleichberechtigt behandelt werden (z.B. ohne Vorzugsbehandlung von z.B. Web-Videos, Telefonie gegenüber Webseiten, Downloads,E-Mails) , egal woher sie stammen und welche Anwendungen sie generiert haben. Auch steht Netzneutralität für eine neutrale Datenübermittlung zum Beispiel auch innerhalb einer Kategorie (Provider würde bevorzugt Videos von Anbieter A gegenüber Video-Anbieter B übermitteln)

Prinzipiell ist Netzneutralität ein guter Gedanke. Irgendwer muss jedoch die Dienste bezahlen, die er/sie in Anspruch nimmt. Diese Kosten und weitere marktwirtschaftliche Dynamiken beeinflussen die Diskussion zur Netzneutralität. 

Flatrates wurden und werden durch einen Preiskampf der Anbieter immer günstiger. Auch Provider müssen im internationalen Markt ihre Datenkapazitäten einkaufen. Bandbreiten und Datenverbrauch (interconnection-traffic) sind für Provider wesentliche Einkaufskostenpositionen. Diese Einkaufspreise bestimmen mit die monatliche Grundgebühr unseres Telefon-/DSL- oder Mobilfunkanschlusses. Die Luft auf Gewinnspannen wird immer dünner. Insbesondere der Datenabruf der Kunden steigt gleichzeitig exorbitant weiter an. Die Möglichkeiten (Bandbreiten) als auch die Anwendungen, – denkt man nur an On-Demand-Mediatheken und Internet-TV – wachsen sprunghaft in der Datensintensität.

User sind verständlicherweise die klaren Fürsprecher der Netzneuträlität. Netzpolitiker sehen durch eine gesetzliche Garantie einen fairen Wettbewerb und die technische Weiterentwicklung gesichert.

Viele Netzbetreiber möchten jedoch eine Netzneutralität zukünftig zur Diskussion stellen. Ihre Argumente: Bestimmte Dienste ihrer Nutzer verursachen unverhältnismässig hohen traffic und beanspruchen zuviel Ressourcen. Der Grund somit: Kosten. Aber auch andere Beweggründe. Da Provider i.d.R. private (bzw. privatisierte) Unternehmen sind, wollen Sie ihre Produkte selbst definieren dürfen. Dazu gehört zum Beispiel eine differenzierte Klassifizierung von Produkten (wer mehr nutzt, muss „zubuchen“, wer weniger braucht, zahlt weniger) oder auch das Anbieten von exklusiven Datenangeboten, zum Beispiel von Web-Inhalteanbietern als Kooperationspartnern.

Ich bin kein Befürworter für eine Netzneutralität. Aus ökonomischen Gründen.

Das Thema ist nicht wirklich neu. Schon vor Jahren wurden im Einwahlzeitalter von vielen Providern z.B. die bei vielen Newsgroups mit Dateianlagen nicht aus Jugendschutz gefiltert, sondern schlicht aus Kostengründen gesperrt. Das Ausgrenzen bzw. Beschränken von Diensten ermöglichte damals eine preislich günstige Einstiegstarifstruktur. Man könnte noch nie und kann bei vielen Mobilfunkprovidern skypen. Bei DSL-PUR-Anschlüssen kann ich nicht über Internet telefonieren, da das VoIP-Protokoll nur gg. Aufpreis freigeschaltet wird. Es liese sich fast beliebig noch mit vielen weitern Beispielen fortsetzen.

Eine tatsächliche, echte Netzneutralität gab es noch nie.

Irgendwann kamen die Flatrates. Alles, unbegrenzt, pauschal. Für immer weniger. Angeboten. Gefordert. Etabliert. Man hat sich daran gewöhnt. Die Diskussion um die Netzneutralität ist nun, denke ich, eine zwangsläufiges Ergebnis der Flatrate-Kultur.

„Wer soll das bezahlen?“

Diskutierte Ansätze:

Große Netzprovider fordern von Inhalte-/Diensteanbietern, von den ihre eigenen Kunden am meisten traffc ziehen, Kostenbeteiligungen.
YouTube müsste also an den Netzprovider Entgelte zahlen, wenn die Kunden des Netzproviders mittels Flatrate Inhalte von diesen Webseiten in Anspruch nehmen zuviel Kosten verursachen, sich quasi die Flatrate wirtschaftlich nicht rechnet?

Müsste der Kaffeelieferant dem Gastronomen einen Verlust ausgleichen, wenn seine Kunden bei einer Kaffeflatrate zu viel trinken und sich das Angebot „all you can drink, bester Preis der Stadt“ offensichtlich nicht für den Gastronom rechnet? Übrigens: Insbesondere Webseitenbetreiber bezahlen in der Funktion des Kaffeelieferanten ordentlich traffic(Kosten) für die Inanspruchnahme Ihrer Besucher

Große Netzbetreiber erhalten von Diensteanbietern tatsächlich eine Netzmaut.
Der Traum eines werbefinanzierten Internet also. (Nur) große Inhalte-/Diensteanbieter und Carrier vereinbaren exklusive Absprachen. Zwangsläufig, dass andere Informationsanbieter aber auch kleinere Netzbetreibere für den Nutzer selbst nicht mehr priorisiert, gar ausgesperrt werden. Ich hielte dies in mehrerer Hinsicht für eine mehr als bedenkliche Entwicklung: Informationsbeschränkung, Anbietermonopolisierung.

Es soll sich auf eine generelle Netzneutralität regulierend ausschließlich für Breitbandanbieter verständigt werden, Mobilfunkprovider sollen jedoch (noch) ausgenommen werden.
Das Mobilfunknetz ist das Datennetz der Zukunft. Warum sollte das mobile Breitbandnetz ausgeschlossen werden, wenn denn schon von einer gesetzlichen Reglementierung gesprochen wird? Anders als Festnetzcarrier verstehen es meines Erachtens Mobilfunkprovider lediglich nur (noch) wesentlich besser, am Markt einen Wettbewerb ohne ruinöse Folgen auszutragen.

Der Staat soll sich an den Internetdienstekosten beteiligen.
Das sind wiederum wir Bürger mit einer Art Abgabe. Wollen wir das tatsächlich???

Wer eine echte Netzneutralität diskutieren möchte, muss auch über eine Finanzierung (=seine Bezahlung) dieses Prinzips reden.

Netzanbieter mit weniger Gewinnmöglichkeiten oder gesetzlicher Verordnung zur Netzneutralität werden auch weniger in die Netzinfrastrukturen und Weiterentwicklung ihrer Produkte investieren wollen (können). Eine Netzneutralität könnte auch den Fortschritt z.B. zeitlich bremsen. Netzanbieter sind private/privatisierte Unternehmen. Wenn ein Netzbetreiber keine Umsatzpotentiale beim Endverbraucher durch eine bereits bestehende Marktregulierung mehr ausschöpfen kann, wendet er sich zwangsläufig in Richtung Inhalte-/Diensteanbieter.

Webdiensteanbieter – Provider – Nutzer: Von allen möglichen Varianten wären wir Nutzer selbst am besten beraten, selbst für die Inanspruchnahme der gewählten Dienste und Inensitäten entsprechend im Nutzungsvolumen und der Intensität marktgerechte Preise zu zahlen. Abgestufte/abgespeckte (Einstiegs)Produktlinien, hevy-/fulluser zahlen mehr als die breite Masse, können einen großen Preisvorteil für DSL-Einstiegsprodukte darstellen. Auch dies könnte besseren Marktraum gegenüber drohenden Netzbetreiber-Inhalteanbieter-Absprachen schaffen.

Auch technische Gründe stehen gegen eine Netzneutralität. Eine Bevorzugung von Echtzeitkritischem Datentransport (Video- oder Telefoniedaten gegenüber E-Mail) kann für mich User selbst nur einen Qualitätsvorteil darstellen. Auch: Eine differenzierte Dateneinstufung könnte Datenstau und „sinnlose“ Bandbreitenbelegung vermeiden.

Wesentlich wichtiger als die Diskussion einer Netzneutralität halte ich die Überlegungen und Bestrebungen für einen einfachen, neutralen Netz-Zugang für Bürger , zum Beispiel Schulen ans Netz, Ausbau e-Governemnt für Kosten-schlanke Verwaltungsformen, Errichtung von mehr/weiteren Webterminal-Bürgerinseln, halboffene WLAN-Netze in Städten für Tourismus etc., oder auch die Ermöglichung von DSL-Produktlinien von Providern für cheap access z.B. für Geringverdiener/Bedürftige.
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