Enthüllungs-Geblogge und seine mögliche Folge für den Autor: Angst

Kürzlich las ich auf einem Blog über die Facebook-Seite einer Firma, auf der es ein wenig sonderbar zuging.

Die Bloggerin, die die Ungereimtheiten entdeckte, beschrieb in ihrem Artikel für jeden sehr plausibel und nachvollziehbar, dass es sich um Fake-User handeln musste, die auf der Facebook-Seite der Firma künstlich Kommunikation und dadurch Aktivität erzeugte. Sockenpuppen nennt man diese Art von Teilnehmern in sozialen Netzwerken. Entweder ist es die Firma unbedarfter Weise selbst, eine dämliche PR-Agentur oder Partnerprogramm-User, die ein solches „Marketingkonzept“ verzapfen.

Eine Enthüllung! Geschrieben und publiziert ging es jetzt daran, den Skandal schnellstmöglich im Netz zu verbreiten. Via Twitter natürlich. Schnell waren einige gefunden, die flugs den Link retweetet hatten und versuchten, einen sogenannten Shitstorm gegen die Firma zu initiieren.

Ich habe dieses Thema gleichfalls in meiner Twitter-Timeline mitbekommen, sagte mir zum einem „wie dämlich kann man denn als Firma oder PR-ler sein“, stellte mir aber auch die Frage, ob die Bloggerin auch der Fairness halber zuerst die Firma für eine Rückfrage und Stellungnahme kontaktiert hat.

Diese Frage hatte ich ihr per Mail gestellt. Einfach nur Interesse halber. Daraufhin schreib sie mir zahlreiche Mails, um sich erst einmal rückzuversichern, ob ich ihr etwas Böses wollte und ob ich „zu denen“ gehöre.

Sie rief mich dann an und erzählte mir in einem längeren Telefonat aufgelöst von einer Vielzahl von Kommentaren in ihrem Blog, die sie offen angriffen. Bedrohungen, Einschüchterungen, Beleidigungen aussprachen. Sogar Anrufe erhielt sie. Teilweise auch mitten in der Nacht. Aus Angst schloss sie umgehend die Kommentarfunktion in ihrem Blog und ging nicht mehr ans Telefon.

„Ich habe Angst. Ich brauche Hilfe“ Gemeinsam überlegten wir, wie die Kuh am besten vom Eis zu bringen sei, die offensichtlich für sie zu groß geworden war.

Ich habe versucht, ihr erst einmal einigermaßen die Angst zu nehmen. So heiß wird ja alles nicht gegessen, wie es gekocht wird. Sie hatte zwei Möglichkeiten: Entweder sie löscht den Post und lässt schnellstmöglich Gras über die Sache laufen. Oder sie stellt sich weiterhin dem Thema in ihrem Blog.

Bei ersterer Wahl wird sie selbst das Gefühl behalten, gekuscht zu haben. Bei letzterem muss sie natürlich aufpassen, sich nicht rechtlich in Abmahnungen zu verheddern und finanziell vom Gegner „niedergemacht“ zu werden.

Sie hat sich für letztere Variante entschieden, von der Firma noch „nachträglich“ ein Statement eingeholt bzw. ihr dafür die Möglichkeit gegeben, sich weiterhin den sachlichen Kommentaren gestellt (beleidigende muss man nicht freischalten) und das Thema ist jetzt mittlerweile verebbt. Auf Twitter natürlich auch schon längst kein Thema mehr. Da wird schon die nächste Sau durchs Netzdorf getrieben und der nächste Shitstorm initiiert.

Natürlich kitzelt es schnell, Skandale mit den heutigen Werkzeugen selbst zu enthüllen und zu bloggen. „Ich weiß was, ich weiß was“. Meine Follower werden sich auf den Skandal unbelesen stürzen, „so eine Sauerei“ rufen und schnell unbedacht retweeten. „Und ich habe es rausgefunden!“

Jedoch sollte man sich solchen möglichen Konsequenzen sehr bewusst sein, bevor man zu eilig auf „publish“ drückt. Alles lieber noch mal unters Kopfkissen legen, mindestens eine Nacht drüber schlafen, ob es das auch tatsächlich wert ist. Und vor allem: Ob man es selbst persönlich dann auch durchstehen kann. Einen erfahrenen Netzfreund um Rat fragen kann ich gleichfalls nur sehr empfehlen. Das war mir persönlich schon manches Mal eine große Hilfe.

Meist ist das nicht der Fall.

Ein guter Weg wäre, die Entdeckung einem Berufsjournalisten mitzuteilen und anzuvertrauen. Dieser kennt sein Handwerk in solchen Themen und hat eine entsprechende, fundierte Ausbildung. Er hat eine Redaktion, die ihn stärkt. Und insbesondere den Informanten geheim hält. Nicht unwesentlich für einen selbst.

Denn Angst ist eines der schrecklichsten Grundgefühle, die man entwickeln kann.

P.S: Der kontaktierte Journalist muss natürlich in einem qualitativ gutem Medium arbeiten. Aber das versteht sich von selbst. In der Auswahl eines geeigneten Kontaktes am besten ein wenig wählerisch sein.

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